Die "larvierte" Depression: Was ist das?
(larviert = versteckt, maskiert)

Zur Geschichte der larvierten Depression


Man schätzt, dass bei über der Hälfte der Menschen, die einen Arzt konsultieren, eine "larvierte" Depression vorliegt! (Menschen mit körperlichen Beschwerden, die ein psychisches Syndrom maskieren). Trotzdem wird sie oft nicht erkannt oder unterschätzt. Die Volkskrankheit "Depression" hat sich sicherlich zum Teil durch die Wohlstandsentwicklung vermehrt: Technisierung, Automation und Entpersönlichung der Arbeit, die Hetze des Lebens, der oft unerbittliche Konkurrenzkampf und nicht zuletzt die Vereinsamung des Einzelnen in der Masse sind Faktoren, die sich bei sensitiven, gemütsbetonten Menschen krankmachend auswirken können.

Die Tendenz, dass sich die Depressionssymptome auf die körperliche Ebene verlagern, wird dadurch noch gefördert, dass die Allgemeinheit zwar bereit ist, körperliche Erkrankungen zu tolerieren, sich aber gegenüber seelischer Störungen nicht selten intolerant und abwertend verhält. Obwohl immer wieder "von der Gleichwertigkeit körperlicher und seelischer Krankheiten" geredet wird, sieht die Allgemeinheit das doch mit anderen Augen. Depressive Menschen sind oft unverstanden und werden isoliert. Das kann mit ein Grund sein, dass mancher Depressive seine seelische Qual körperlich ausdrückt, um der sozialen Diskriminierung zu entgehen. Oft handet es sich um Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - einem großen Erwartungsdruck ausgesetzt sind und/oder eine große Verantwortung auf ihren Schultern lastet. Sie können sich eine depressive Phase schlichtweg nicht leisten, weil sie funktionieren müssen, um die berufliche oder private Existenz und das Ansehen nicht zu gefährden. Ihre Furcht vor sozialem Abstieg oder Verlust vor Ansehen ist so groß, dass sich depressive Verstimmungen in körperlichen Krankheiten ausagieren können.

Der depressive Zustand wird meist - weder vom Patienten noch vom Arzt - nicht erkannt, weil die körperlichen Störungen so übergroß sind. Eine körperliche Krankheit kann zudem besser akzeptiert werden als eine seelische (im Sinne: "So etwas habe ich nicht!" oder "Ich bin doch nicht verrückt!") Durch Schilderung nur körperlicher Störungen beim Arzt und durch Verheimlichung (meist unbewusst) ihres psychischen Zustandes, der auch oft verdrängt oder unterschätzt wird, ist der Arzt meist nicht in der Lage, eine zutreffende Diagnose zu stellen. Auch bei den Ärzten herrscht leider oft eine Tendenz vor, die Beschwerden nur auf körperliches Leiden zurückzuführen, gerade dann, wenn ein Patient vor ihnen sitzt, der sein "Leben im Griff" zu haben scheint. Sie scheuen sich davor, eine psychische Ursache zu akzeptieren und untersuchen nur körperliche Symptome, ohne die Psyche des Patienten einzuschließen. Viele Depressive werden daher immer wieder körperlich durchuntersucht und mit Medikamenten abgefüttert, ohne der Ursache auf den Grund zu gehen.

Die frühzeitige Demaskierung einer larvierten Depression durch entsprechende Therapien, bewahrt ihn vor medikamentösen Behandlungen, die vielleicht einzelne Symptome zu beeinflussen imstande sind, aber die Ursache allen Übels nicht beseitigt.

 

Beängstigende Zunahme der larvierten Depression


Es wird vermutet, dass sich diese Zahl wahrscheinlich noch erhöhen wird, und zwar aufgrund folgender Tatsachen:

  1. die Zunahme der Lebenserwartung in den meisten Ländern und dementsprechend eine ansteigende Zahl des Depressionsrisikos bei belasteten Menschen (z.B. genetisch bedingt), seelische Verwahrlosung und körperliche Gewalt bei Kindern bzw. Jugendlichen, fehlende Bezugsperson, Vereinsamung bei Alten und Alleinstehenden usw. ;
  2. die rasante Entwicklung und deren Stress-Situationen (seelische Verwahrlosung bereits bei Kindern und Jugendlichen, schnellere Gewaltbereitschaft, Vereinsamung, Überforderung, Leistungsdruck usw.);
  3. die Zunahme chronischer Erkrankungen;
  4. der vermehrte Konsum von Medikamenten, z.B. Antihypertensiva (blutdrucksenkende Medikamente), Neuroleptika (Behandlung von Psychosen und Schizophrenie), Kortikoiden (Nebenrindenhormon = wird bei Rheuma, Asthma, Allergien und Entzündungen eingesetzt), oralen Kontrazeptiva (Pille), die bei langfristiger Einnahme einen depressiven Zustand hervorrunden können (pharmakogene Depression).

 

Die körperliche Symptomatik bei "larvierten" Depressionen

  • chronische Kopfschmerzen
  • chronische Muskelverspannungen (Schulter, Nacken)
  • Gelenk-, Muskel- und Nervenschmerzen
  • Herzsymptome, Angstattacken und brennendem Druckgefühl, Herzjagen, Herzschwäche
  • Druck- und Beklemmungsgefühle im Bereich des Halses und der Atmungsorgane, beengte Atmung
  • Mundtrockenheit, Magenbeschwerden, Magendruck, Blähungen, Verstopfungen, Durchfälle
  • Appetitmangel, Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme
  • Schlafrhythmusstörungen, Neigung zu Schweißausbrüchen, besonders nachts und schon bei geringer Belastung, morgendliche Erschöpfungs- und Versagenszustände
  • Unterleibsbeschwerden, Fluor, beständiger schmerzhafter Harn- und Stuhldrang, Harndrang, verschiedene Schmerzzustände im Bereich der Harn- und Geschlechtsorgane, Störungen der Sexualfunktion, Impotenz, Frigidität, Menstruationsstörungen
  • selten: uncharakterische Hör- und Sehstörungen, Haarausfall bis zur Kahlheit

 

 

 

 

 





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